DAKAR 2021: SPANNUNG BIS ZUM LETZTEN KILOMETER

Konzentration, Anstrengung, Navigieren und körperliche Höchstleistungen – und das hunderte Kilometer durchgehend und bei Vollgas. Die Rallye Dakar ist mit ihren Sanddünen und felsigen Bergabschnitten ein zermürbender Test für Mensch und Maschine.

Die Rallye Dakar 2021 konnte mit atemberaubenden Landschaften aufwarten – hier gibt Toby Price nahe am Meer Vollgas.
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Die 2021-Ausgabe war von Anfang bis Ende atemberaubend spannend. Nicht nur aufgrund der Hürden, die die Teams und Veranstalter nehmen mussten, damit das Rennen überhaupt stattfinden konnte, sondern auch wegen seiner Intensität, Landschaften und mitreißenden Geschichten. Red Bull KTM Factory Racing weiß genau, wie man hier gewinnt, hat es diese weltberühmte Rally doch bereits unglaubliche 18 Mal für sich entscheiden können. Und obwohl der Sieger im Januar 2021 ausnahmsweise nicht in Orange gekleidet war, war das Team bis zum Ende in den Kampf um die Podestplätze involviert.

Sam Sunderland erkämpft bei der Rallye Dakar 2021 einen Podestplatz
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Mit seinem Aufgebot an drei Fahrern, von denen jeder einzelne die Dakar bereits gewinnen konnte, bereitete sich Red Bull KTM Factory Racing in Dubai auf die Saison vor. Matthias Walkner, Sam Sunderland und Toby Price freuten sich besonders darauf, ihre KTM 450 RALLY nach einer Corona-bedingt recht ereignislosen Saison 2020 endlich wieder anwerfen zu können. Es ist allgemein bekannt, dass Athleten sich voll auf ihren Sport konzentrieren müssen. Und für Price bedeutete das, dass er sich für fünf Monate in einem Hotel fern der Heimat einquartieren musste – laut Eigenaussage ‚alles für die Hoffnung auf jenen überwältigenden Moment‘. Die Rallye Dakar, die vor zwei Jahren von Südamerika in den Mittleren Osten umgezogen war, bot 2021 ein Spektakel der Sonderklasse – mit Zweikämpfen in der Wüste, felsigem Terrain, wechselnden Wetterbedingungen und einem unvergesslichen Finale. Price schienen seine Vorbereitungen zum Vorteil zu gereichen, schließlich knallte er am ersten und sechsten Tag Bestzeiten in den Sand, um am Abend des Ruhetages die Führung zu übernehmen.

Die Geschichten, die die Dakar schreibt, sind legendär: Toby Price repariert seinen Reifen mit Kabelbindern und Gewebeband.
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Dieses unbarmherzige Rennen ist immer für fantastische Geschichten gut. In diesem Jahr boten über 7.646 km und eine Marathon-Etappe, die am Morgen nach dem ersten Ruhetag stattfand, reichlich Gelegenheit, solche zu schreiben. Und leider traf es Price: Er traf einen Stein und riss sich den Hinterreifen auf. Da es dem Team nicht erlaubt war, dem Fahrer zu helfen, musste er den Reifen selbst mit Gewebeband und Kabelbindern reparieren. Verblüffenderweise hielt der Reifen am nächsten Tag über 709 Kilometer lang stand. Seine Odyssee wird in die Geschichte eingehen: Mit nur einem Kabelbinder auf der Felge und trotz „konservativer“ Fahrweise schaffte er es zurück ins Biwak und konnte die Etappe sogar als Zweiter beenden. Doch es sollte noch schlimmer kommen: In Sonderprüfung neun kam der zweimalige Dakar-Sieger zu Sturz und musste das Rennen aufgeben. Ob sein früheres Missgeschick und die damit verbundene Ermüdung eine Rolle gespielt hat, ist unklar.

Sam Sunderland schießt durch die felsige Landschaft.
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Und wenn wir schon von großen Herausforderungen reden: Nach technischen Problemen in Sonderprüfung zwei, aufgrund derer er etwa zwei Stunden auf den Führenden einbüßte, feierte das österreichische Ass Walkner ein fulminantes Comeback. Er fuhr jeden Tag am absoluten Limit und erreichte das Ziel als guter Neunter. Lediglich Sunderland hatte danach noch berechtigte Chancen auf den Sieg. Der Brite war ein konstantes Rennen gefahren und eine Sonderprüfungs-Bestzeit am vorletzten Tag sorgte dafür, dass er nur mehr wenige Minuten hinter dem Erstplatzierten lag. Gegen Ende einer ereignisreichen Dakar wusste Sunderland, dass es ein Nachteil für ihn sein könnte, als Erster in die letzte Prüfung gehen zu müssen. Und obwohl er bis zuletzt beherzt kämpfte, musste er sich geschlagen geben und beendete die härteste Dakar der jüngeren Vergangenheit als Dritter.

Matthias Walkner kämpfte sich nach einem technischen Problem auf einen beeindruckenden Top-10-Platz nach vorn
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„Nachdem ich früh über zwei Stunden verloren hatte, wusste ich, dass ein Sieg beinahe unmöglich war. Ab diesem Zeitpunkt versuchte ich einfach, jeden Tag mein Bestes zu geben, gute Zeiten zu fahren und das Rennen sicher zu beenden. Der neunte Gesamtrang ist ein gutes Ergebnis – besonders bei einem so hohen Niveau. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr mehr Rennen fahren können, um bei der nächsten Dakar ein besseres Resultat zu erreichen“, so Walkner.

Sanders feiert mit seinem Mentor Jordi Viladoms, dem Teammanager von KTM Factory Racing und ehemaligen Rennfahrer.
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Rookie Daniel Sanders lieferte für KTM eine eindrucksvolle Vorstellung ab. Weder ein harter Sturz noch eine böse angeschwollene Lippe nach einem Bienenstich konnten den Australier aufhalten. Dank einiger Sonderprüfungszeiten unter den besten Drei und konstant guter Performance erreichte der ehemalige Enduro-Fahrer einen fantastischen vierten Platz. Damit hat er die Messlatte ziemlich hoch gelegt: Die Dakar war erst seine zweite Cross-Country-Rally, aber mit der Hilfe seines Teammanagers Jordi Viladoms und der Möglichkeit, von seinen Kollegen zu lernen, machte Sanders das Beste aus seiner Chance, im Rahmen des KTM Factory Racing Junior Rally-Programms anzutreten, und etablierte sich als ernsthafter Titelanwärter der Zukunft.

Sunderland kämpft sich durch das schwierige Terrain, während ihm der Helikopter folgt.
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„Insgesamt verlief meine erste Dakar perfekt. Bereits beim Prolog hatte ich ein gutes Gefühl und danach lernte ich jeden Tag dazu, um so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Ich freue mich über meinen vierten Gesamtplatz und den Titel des besten Rookies. Das ist wirklich cool. Ich konnte davor nur vier Monate auf dem KTM-Rally-Bike trainieren und versuchte, so viel wie möglich zu lernen. Ich kann Jordi und dem Team deshalb nicht genug für all die harte Arbeit und ihr Vertrauen in mich danken“, sagte Sanders nach dem Ende der Rally.

Walkner stellt sich auf seiner KTM 450 RALLY dem felsigen Untergrund.
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Natürlich hatte sich das Team mehr erhofft, aber wie Viladoms sagt, war es ein unglaublich hartes Rennen: „Nachdem wir die ganze Rally hindurch hart gekämpft hatten, ist ein Podestplatz positiv, natürlich hatten wir uns aber mehr erhofft. Diese Rally war eine extreme Herausforderung für alle Starter, ein echter Charaktertest und nicht nur einer für die Fahrer, sondern auch für unser Team. Ich bin stolz auf die Leistung des Teams.“

Eine weitere eindrucksvolle Aufnahme von Sam Sunderland, der am letzten Tag viel Zeit gutmachte und als Dritter ins Ziel kam.
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Sunderland zu seinem dritten Platz: „Ich bin froh, es noch als Dritter ins Ziel geschafft zu haben. Ich kann ohne Zweifel sagen, dass es eines meiner härtesten Rennen war – die Schlagzahl an der Spitze war so hoch, dass wir jeden Tag alles geben mussten und wir keine Zeit zum Verschnaufen hatten.“

Bei der Rallye Dakar kommt es auf Teamwork an – etwa im Fall des Biwaks, das den Fahrern im Zuge der 12 Sonderprüfungen folgt. Die Magie dieses Rennens, das auch in anderen Klassen wie Autos, LKWs und Quads ausgetragen wird, ist etwas ganz Besonderes und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr. Um die Wartezeit zu verkürzen, haben wir ein paar der besten Bilder der zweiten Hälfte der Rallye Dakar 2021 für euch zusammengetragen.

Daniel Sanders holt sich nach einer schnellen und konstanten Fahrt den Titel des besten Rookies bei seiner erst zweiten Cross-Country-Rally.
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Walkner gibt im wechselhaften Terrain der Dakar 2021 Vollgas.
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Sanders sucht sich seinen Weg durch das sandige Terrain.
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Jordi Viladoms gratuliert Sam Sunderland zu seinem Podestplatz.
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Erschöpft, aber im Ziel – Sunderland, Sanders und Walkner beenden die Rallye Dakar 2021.
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