JONNY WALKER – DIE BESTEN TIPPS ZUM MEISTERN VON FELSENGÄRTEN

Felsengärten sind Teil von fast jedem Hard Enduro-Prolog und SuperEnduro-Kurs. Diese unberechenbaren Felshalden bergen viele Gefahren, die Fahrer auf dem falschen Fuß erwischen können und hohes technisches Geschick erfordern.

Jonny Walker macht kurzen Prozess mit den Felsen in der FIM-SuperEnduro-Weltmeisterschaft des Jahres 2020
PC @Future7Media

Im Laufe seiner Karriere hat Jonny Walker von Red Bull KTM Factory Racing immer wieder bewiesen, dass er ein Meister der Felsengärten ist – sowohl in den Arenen der SuperEnduro-Weltmeisterschaft als auch bei Events im Freien wie dem berüchtigten Prolog zu den Red Bull Romaniacs.

Der Hard Enduro-Star aus dem KTM-Lager teilt mit uns einige seiner besten Tipps, wie man als Fahrer Vertrauen fassen und Felsengärten bezwingen kann.

Walker bahnt sich seinen Weg durch die Felsen der Red Bull Romaniacs 2019
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Mache einen Spaziergang
„Es ist enorm wichtig, dass du dir die Strecke bei der Begehung gut anschaust. Im Fall von Felsengärten solltest du eine Linie wählen, die einen guten Rhythmus bietet und die wenigsten Löcher beinhaltet. Außerdem solltest du dich immer auf eine bevorzugte Linie sowie zwei oder drei weitere Linien festlegen. So kannst du ausweichen, wenn deine Hauptlinie gerade von einem anderen Fahrer benutzt wird. Gehe jede Sektion mehrere Male ab, bis du jeden Felsen und jede knifflige Stelle kennst.“

‚Dir bei der Begehung mehrere Linien einzuprägen ist wichtig für den Fall, dass deine bevorzugte Linie benutzt wird‘ – Jonny Walker
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Langsam angehen, dann Gas geben
„Beim Einfahren in einen Felsengarten, lasse die Sache langsam angehen und gib dann Gas. Fahre nicht zu schnell in den Abschnitt ein, nur um dann bremsen zu müssen. Dadurch destabilisierst du höchstens dein Bike beim Verzögern. Wenn du stattdessen langsam anfährst und durch die Felsen beschleunigst, kannst du zentral auf dem Bike stehen bleiben und dein Bike wird stabil bleiben. Dein Vorderrad bleibt dadurch leicht und fällt nicht so leicht in die Löcher.“

Walker beim Hixpania Hard Enduro 2019, einem Lauf zur WESS-Enduro-Weltmeisterschaft
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In die Knie gehen
„Aufrecht zu fahren ist immer besser als zu sitzen. Das solltest du dir gleich mal einprägen. Du solltest etwas in die Knie gehen, deine Ellenbogen beugen und dein Gewicht nach hinten verlagern – aber nur ein kleines bisschen über den Mittelpunkt des Bikes hinaus. So bleibt das Vorderrad leicht. Lehnst du dich zu weiht nach hinten, verlierst du die Kontrolle, zu weit nach vorne und das Vorderrad fällt dir auf den Boden zurück.“

Fersen runter
„Ich stehe lieber auf den Zehen als auf dem Mittelfuß. So kann ich meine Fersen für eine bessere Balance und um das Gewicht des Bikes zu verlagern, nach unten drücken. Du solltest jederzeit bereit sein, deine Füße von den Fußrasten zu nehmen, um dein Gleichgewicht zu behalten. Versuche, den Boden nur ganz leicht mit deinem Fuß zu berühren. Wenn du zu hart auftrittst, destabilisierst du nur dein Bike und musst es dann erst recht wieder mit dem anderen Fuß ausbalancieren. Damit verschwendest du Energie und machst dein Bike sehr instabil.“

‚Entspannt zu bleiben und das Bike mit den Beinen fest im Griff zu haben, ist auf diesen Abschnitten der Schlüssel‘ – Jonny Walker
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Vermeide es, zu stark Gas zu geben
„Ich wähle für Felsengärten normalerweise einen hohen Gang – bei meiner KTM 300 EXC TPI meistens den dritten. Ein niedriger Gang führt nur dazu, dass der Motor zu hoch dreht, seine Höchstleistung zu früh erreicht und das Hinterrad zum Durchdrehen bringt. Das birgt das Risiko, dein Bike aus der Ruhe zu bringen. Ein hoher Gang hilft dir, nicht zu stark Gas zu geben und dadurch eventuell sogar abgeworfen zu werden.“

Bleib entspannt
„Hierbei geht es nicht darum, schlaff zu sein, sondern darum, sich zu entspannen. Beim Aufrechtfahren solltest du dein Bike fest mit den Beinen umklammern, aber wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, musst du diesen Griff auch wieder schnell lösen können. Das erlaubt es dem Bike, sich unter dir zu bewegen, und dir, die Bewegung des Bikes auszugleichen. Blicke beim Fahren immer voraus und versuche, dir nicht darüber den Kopf zu zerbrechen, was direkt vor deinem Vorderrad los ist.“

Ein Daumen-hoch beim Extreme XL Lagares in Portugal, dem 1. Lauf zur WESS-Enduro-Weltmeisterschaft 2019
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Wann du warten und wann du nach vorn preschen solltest
„Irgendwann läufst du zwangsläufig auf andere Fahrer auf. Bis zu diesem Augenblick ist es unmöglich zu entscheiden, ob du warten oder nach vorn preschen solltest. Wenn meine bevorzugte Linie benutzt wird, sehe ich mir meine zweite oder dritte Option an. Manchmal zahlt es sich aus, ein paar Sekunden zu warten, bis die Hauptlinie frei wird, und manchmal bringt das nichts. Mit der Zeit wird dir deine Erfahrung helfen, solche Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde zu fällen.“

Eine schwierige Felsenpassage beim BR2 Enduro Solsona in Spanien, einem Lauf zur WESS-Enduro-Weltmeisterschaft 2019
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Praxis ist alles
„Wie bei allem macht Übung den Meister. Du solltest solche Abschnitte auch abseits vom Rennen üben. So kannst du deine Fähigkeiten mit dem Bike schärfen und dich als Fahrer weiterentwickeln. Wenn du das Glück hast, eine Hausstrecke mit so einem Felsengarten zu haben, ist das großartig. Aber auch wenn nicht, gibt es jede Menge natürliche Felsengärten draußen in der Natur. Wiederhole den Abschnitt so lange, bis du ihn fünf Mal in Folge ohne Fehler meistern kannst. So verinnerlichst du das Anfahren, die Geschwindigkeit und deine Körperhaltung.“